Schulsozialarbeit ist nicht mehr wegzudenken

Von Roland Weiß

Meckenbeuren Gäbe es sie noch nicht, müsste man sie erfinden: Im Herbst 2003 hat die Schulsozialarbeit in Meckenbeuren Einzug gehalten, seit 2009 ist sie auch an den Grundschulen beheimatet. Dass sie bislang das Etikett „Erfolgsgeschichte“ trägt, ist sicher auch einem Meckenbeurer Sonderweg geschuldet – dass sie von Anfang an als Teil der Jugendarbeit verstanden wurde und organisatorisch beim Jugendreferat angesiedelt ist. „Alles kommt aus dem gleichen Laden“, weist Herr S. auf Synergieeffekte hin.
Mit dem Leiter des Jugendreferats und seiner 50-Prozent-Stelle an der Werkrealschule ging es 2003 los. S. erinnert sich, dass eine Form der ambulanten Jugendhilfe voran gegangen war – und es Überzeugungsarbeit zu leisten galt.
Wurde Schulsozialarbeit einst von vielen Lehrern und Eltern als „Feuerwehr“ im Einzelfall gesehen, so hat sich ihr Verständnis grundlegend gewandelt: Ein hoher Anteil an Prävention ist den Konzepten zu Eigen. Und: Das Angebot wird nicht als Konkurrenz verstanden, sondern als Ergänzung – ein Beleg, dass die Angebote landauf landab positiv ankommen.
In Meckenbeuren setzte S. bis 2009 Baustein für Baustein: Soziale Trainingskurse in Klasse 5 gehörten ebenso dazu wie die Zusammenarbeit in der Einzelberatung (mit Schülern, Eltern, Lehrern), der Ausbau der Konfliktkultur und Mitarbeit an der Schulentwicklung. Vieles sei ausprobiert worden, bis sich ein Kanon an Bewährtem ergab.
Dann der Durchbruch 2009: An allen vier Grundschulen werden 20-Prozent-Stellen eingerichtet. Frau K. ist in Langentrog und Meckenbeuren Ansprechpartnerin, Frau M. in Brochenzell und Kehlen – und lobt: „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Schulleiter so hinter der Schulsozialarbeit stehen.“ Was damit zu tun haben mag, dass nicht ein Konzept übergestülpt, sondern gemeinsam entwickelt wurde – „prozesshaft“ ist ein Ausdruck, der immer wieder fällt.
Seit 2010 wird die Realschule von S. 50-Prozent-Auftrag aus mitbedient. Was gesamt gesehen eher das Ende der Fahnenstange darstellt – empfiehlt doch auch das Landesnetzwerk Schulsozialarbeit, Stellen nicht unter 40-Prozent anzusetzen, um die Arbeit sinnvoll zu gestalten und bewältigen zu können.
Ausweitungen waren daher fürs Schuljahr 2011/12 geplant – auf 0,3 Stellen an den zweizügigen Grundschulen in Brochenzell, Kehlen und Meckenbeuren. Die Finanzlage aber ließ den Gemeinderat umdenken, auch wenn Schwaiger sagt: „Wir verspüren generell die volle Rückendeckung des Rats und der Verwaltung.“
Im Oktober wurde die Erhöhung um dreimal 0,1 vertagt. Mit dem Etat 2012 soll nun die Entscheidung fallen – auf ein positives Votum hoffen die drei rührigen Schulsozialarbeiter.
Dann geht es auch um das Junktim zwischen offener Jugendarbeit und Schulsozialarbeit – wird doch dem Schulverbund aus Werkrealschule und Realschule generell eine 70-Prozent-Stelle zugebilligt. Nur: Um dies schon ab Herbst 2011 zu gewährleisten, mussten die zusätzlichen 20 Prozent in der offenen Arbeit abgezogen werden (was sich unter anderem im Verzicht auf die Bahnhofsplatz-Säuberungen auswirkt). Angelegt war der Kompromiss auf ein Jahr, muss also mit dem Haushalt 2012 ebenfalls neu geregelt werden.
(Erschienen: 03.05.2012 18:25)