Schulanfänger lernen im Straßenverkehr

Zum Schuljahresbeginn ist auf den Straßen besondere Vorsicht geboten, wenn Erstklässler sich auf den Schulweg begeben. Damit diese sich beim ersten Kontakt im Straßenverkehr leichter tun, hat die Grundschule Meckenbeuren einen Schülerlotsendienst installiert. Auch die Grundschule in Kehlen würde dem Beispiel gerne folgen, bisher scheiterte das Vorhaben aber stets.

Kurz nach zwölf an der Albrecht-Dürer-Grundschule in Meckenbeuren: Klingeln beendet den Schultag für die Erstklässler, die nur wenige Sekunden später aus dem Schulgebäude in Richtung Hauptstraße strömen. Viele von ihnen werden von Eltern abgeholt, andere machen sich zu Fuß auf den Weg nach Hause oder zur Bushaltestelle. Damit in Meckenbeuren an der Ampel-Kreuzung Richtung Brochenzell die Kinder sicher über die Straße kommen, hat sich dort bereits Herr J. als Schülerlotse aufgestellt. Der Rentner ist einer von sieben freiwilligen Helfern, die in den ersten vier Schulwochen den Schülern den Start in den Straßenverkehr erleichtern.

Frau S., Vorsitzende des Fördervereins der Schule, hat den neuen Lotsendienst bereits vor einem Jahr ins Leben gerufen. „Als Mutter von vier Kindern bin ich seit zehn Jahren an der Schule. Schon lange wurde über dieses Thema gesprochen, da die Kreuzung Richtung Brochenzell gefährlich ist.“ Vor allem Rechtsabbieger von Brochenzell kommend übersehen nicht selten das rote Ampelsignal. Zum Beginn des vergangenen Schuljahres sei dann die Zeit des Redens vorbei gewesen, „man musste einfach mal handeln“. Frau S. initiierte in Kooperation mit der Verkehrswacht den Schülerlotsendienst. „Wir werden geschult und mit Westen und Kellen ausgestattet“, sagt die vierfache Mutter. Mit „wir“ meint sie das siebenköpfige Team: Im Wechsel sind vier Senioren und drei Mütter an der Kreuzung im Einsatz, und das vier Wochen zu Schuljahresbeginn und jeweils eine Woche nach den Herbst- und Weihnachtsferien.

Auch an der Wilhelm-Schussen Grundschule in Kehlen wäre man über solch eine Hilfe dankbar. „Leider hat dies bis heute nicht geklappt, obwohl wir einen solchen Lotsendienst ins Leben rufen wollten“, sagt Rektorin Frau R.. Der Aufruf der Schule löste aber kein Echo aus. „Es ist nicht einfach, Freiwillige zu finden, denn die meisten Eltern sind eben auch berufstätig“, so R.. Dennoch habe man seitens der Schule reagiert.
An der Bushaltestelle gibt es eine Aufsicht der Lehrerkollegen. „Das funktioniert sehr gut, obwohl die Aufsicht für die Kollegen freiwillig ist, da die Haltestelle nicht auf dem Schulgelände liegt“, sagt Frau R.. Umso erfreulicher: Die Lehrer-Aufsicht läuft über das gesamte Schuljahr.

Den Verkehrslotsendienst hat aber auch Kehlens Rektorin noch nicht abgeschrieben: „Ich werde das Thema weiterhin bei Elternabenden ansprechen, da mir dies am Herzen liegt.“ Die positiven Erfahrungen der Meckenbeurer Nachbarschule bestätigen sie in ihrem Vorhaben. (J. G.)