Pilotprojekt: Fünf Buben und Mädchen freuen sich über die Außenklasse

Für die Uhlandschule ist es die erste Außenklasse: Seit dem Herbst des Vorjahres erleben fünf Buben und Mädchen mit besonderem Förderbedarf ihren Schulstart nicht in Tettnang, sondern in der Klasse 1a der Albrecht-Dürer-Schule in Meckenbeuren. Die Kinder aus der Gemeinde gehen im Rahmen dieses Pilotprojektes auch in der Gemeinde auf die Regelschule – in Umsetzung des Integrationsgedankens.

Montag, 11.30 Uhr: Eben noch haben sie eifrig – in Zweierteams auf dem Boden sitzend – die Jahresringe der Baumscheiben gezählt. Die Ergebnisse nennen die zwölf Kinder der Klasse 1a dann im gemeinsamen Stuhlkreis mit ihren Lehrerinnen Frau B. und Frau H.. „Bei uns 39“, „bei uns 44“ klingt es durchs Klassenzimmer im ersten Stock, bis Frau B. die entscheidende Frage stellt: „Warum zählen wir denn die Ringe der Bäume?“ Viele Finger schnellen nach oben, Scheu angesichts der Gäste im Hintergrund ist zum Glück nicht spürbar.

Eingefunden haben sich diese, um eine erste Bilanz für ein Pilotprojekt zu ziehen – schließlich ist die Intensivkooperation von Uhlandschule und Albrecht-Dürer-Schule noch jung und keineswegs selbstverständlich. Für Frau H. war es als Leiterin der Grundschule entscheidend, dass das gesamte Kollegium hinter dem Modell steht – schließlich setze diese Verzahnung auch die volle Bereitschaft voraus, zusammenarbeiten zu wollen.

Wie Herr Dr. R. als Rektor der Tettnanger Förderschule zurück blickt, seien mehrere Anläufe zuvor schon vor der Umsetzung gescheitert. Nun aber stimmten die Faktoren, wozu auch das Lob an die Kommunen gehört: Dass mit der Albrecht-Dürer-Schule „ein toller Partner“ gefunden worden sei, bestätigt zudem Herr R.. „Beauftragter für gemeinsamen Unterricht“ ist am Staatlichen Schulamt in Markdorf seine Bezeichnung – eine Planstelle, die es seit Herbst 2010 gibt.

„Den gemeinsamen Unterricht in die Fläche zu bringen“, so umschreibt er seine Aufgabe. Was mit unterschiedlichen Modellen denkbar ist – die Außenklasse ist eines davon. Sieben solcher Projekte gibt es im Schulamtsbezirk in diesem Schuljahr. 2012/13 sollen es dann schon deren zwölf sein: Unter anderem wird die Uhlandschule dann auch mit der Schule in Neukirch zusammen arbeiten – in Festigung der „Vorreiterrolle“, die ihr R. lobend zuspricht.

In Meckenbeuren werden ab dem Herbst wohl drei Kinder mit Förderbedarf aus der 1a verbleiben, bei zweien wird die Rückschulung in die Regelklasse angestrebt. Neue Erstklässler mit Förderbedarf kommen hinzu, so dass es eine Kombiklasse für die Stufen 1 und 2 geben soll. Wie es nach Klasse 2 weiter geht, ist nicht zuletzt angesichts der Ressourcenfrage („wo kommen die Deputatstunden her?“) unklar – zumal ab 2012 ein neues Schulgesetz gelten dürfte.

Einerlei: Bestehen bleibt die Erfahrung, dass ein Gelingen der am Kind orientierten Kooperation mit der Öffnung des Unterrichts steht und fällt – als „große Freiheit wie große Herausforderung“ und „damit die Kinder auf ihrem Niveau arbeiten können“ (R.). Ebenso plausibel ist Frau B.’s und Frau H.’s Erfahrung – dass der kleinere Rahmen ein großer Vorteil für die Kinder ist, denen so ein möglicher Misserfolg gleich zu Beginn ihrer Schulkarriere erspart bleibt. (R. W.)