Famos: Meckenbeuren ist Fairtrade-Town Nummer 8 in Baden-Württemberg

Meckenbeuren (rwe) – „Ich habe mir eine solche Preisverleihung viel ernster vorgestellt“, sollte einer der Schüler am Freitagnachmittag befinden. Was ein Kompliment ist und daran lag, dass Herr H. als Überbringer der „Fairtrade-Town“-Auszeichnung „Heimvorteil“ genoss. Der Ernsthaftigkeit des Anliegens tat dies keinen Abbruch, arbeitet doch ein ganzes Netzwerk seit elf Jahren an diesen kleinen konkreten Schritten hin auf eine gerechtere Welt.

Als achte Kommune in Baden-Württemberg und als 46. bundesweit wurde die „Stadt Meckenbeuren“ (so der Urkundentext) für ihre Vorreiterrolle mit dem Gütesiegel „Fairtrade-Town“ bedacht. Als wichtiger Beitrag wird dies vom verleihenden Verein TransFair gewertet, um „durch faire Handelsbeziehungen den benachteiligten Produzentengruppen im Süden zu einem verbesserten Einkommen zu verhelfen“.

Soweit die Urkunde. Konkret ist dahinter ein ausdauernder Einsatz auszumachen, wie ihn Frau S. für die Eine-Welt-Gruppe skizzierte. Erste Aktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ waren anno 2000 zu verfolgen, als Frauenbund und Landfrauen im „Arbeitskreis Landwirte und Verbraucher im Dialog“ zusammen arbeiteten.

Seitdem blieb ein ganzes Netzwerk an Ehrenamtlichen am Ball, wie auch Herr H. hervor hob. Dem gebürtigen Tettnanger und einstigen KJG-Dekanantsleiter ist erst jüngst als ehemaliges TransFair-Vorstandsmitglied das Bundesverdienstkreuz verliehen worden, nun wusste er den „Heimvorteil“ im Gemeindehaus St. Maria zu nutzen – wie vor fünf Wochen, als er Tettnang die Urkunde als „Fairtrade-Town“ überbrachte.

„Fairer Handel setzt in Meckenbeuren viele Aktivitäten frei”, lobte Holz und verwies darauf, dass es die Auszeichnung „nicht für lau“ gebe. Dass damit keineswegs ein Endpunkt erreicht sei, stellte auch Bürgermeister Herr S. in den Vordergrund (samt dem Dank an Frau E. als Koordinatorin). Die Sensibilisierung müsse weitergehen, beispielsweise werde überlegt, die Geschenkkörbe der Gemeinde mit einem fairen Produkt zu bestücken.

Um den Status „Fairtrade-Gemeinde“ zu erwerben, sind fünf Kriterien zu erfüllen. So muss ein Gemeinderatsbeschluss dies anstreben samt dessen, dass im Rathaus Fairtrade-Kaffee ausgeschenkt wird und ein weiteres Produkt aus fairem Handel angeboten wird. Zudem muss es eine lokale Steuerungsgruppe geben, die die Aktivitäten koordiniert – was mit der Eine-Welt-Gruppe der Fall ist. Seit 2009 trägt der Eine-Welt-Stand von April bis Oktober mittwochs zur Attraktivität des Wochenmarkts bei – wozu Engagierte aus katholischem Frauenbund, evangelischer Kirchengemeinde, Albrecht-Dürer-Schule und Arbeitskreis Fair und Regional beitragen. Der Renner hier: frisch gebrühter Pidekaffee.

Und: In mindestens vier Geschäften muss es Waren aus fairem Handel geben – plus solche Produkte in zwei Cafés (wie bei Frau L. im Gemeindehaus St. Maria). Neben der Öffentlichkeitsarbeit sollen auch Schulen, Vereine und Kirchen diesen Weg mitbeschreiten – was in Meckenbeuren mit Vielfalt der Fall ist, wie auch die gestrige Ehrung unterstrich. (rwe)