„Im Mittelpunkt stehen das Kind und sein Lernerfolg”

Meckenbeuren / ce Seit Beginn des neuen Schuljahres besucht der sechsjährige L. O. die Klasse 1 a der Albrecht-Dürer-Schule Meckenbeuren. L. sitzt im Rollstuhl, er leidet an Spinaler Muskelatrophie (SMA), einer Art Muskelschwund, sein Körper kann durch einen genetischen Defekt keine neue Muskelmasse aufbauen, da nur eingeschränkt eigenes Muskelprotein produziert wird. Dies hat zur Folge, dass wachstumsbedingt die Muskeln nicht mitwachsen, es kommt zu einem Schwund und zur Schwäche der Muskulatur.

Gemeinsam mit seinen Freunden aus dem Kindergarten wird L. an der Albrecht-Dürer-Schule von der Klassenlehrerin Frau B. in einer Inklusionsklasse unterrichtet, auch am Sportunterricht von Lehrerin N. H. nimmt er teil. Unterstützt bei allen Aktivitäten wird er von Frau R. und am Nachmittagsunterricht von Frau F..

L. nimmt an allen Fächern teil. Ermöglicht wurde dies durch den Einbau eines Treppenlifts, so kann L. die Küche im Unteregschoss, den PC-Raum und die Sporthalle erreichen. „Wir finden das toll, dass wir die Chance bekommen haben zu zeigen, dass L. an diese Schule gehört und nicht an eine Sonderschule für Körperbehinderte“, dankt die Mutter von L. der Gemeinde und der Schule.

Bürgermeister Herr S. stellt die Wertschätzung der Vielfalt in den Vordergrund. „Viele Menschen haben Einschränkungen, lediglich anders oder verschieden stark“, sieht er die Gemeinde als Schulträger in der Pflicht, gemeinsam mit der Pädagogik die Rahmenbedingungen zu gestalten, damit der Alltag zur Normalität wird. „Das Prinzip der Inklusion und Integration soll Menschen mit Behinderung die Teilhabe ermöglichen und bezieht sich auf sämtliche Lebensbereiche – Bildung, Wohnen und Arbeiten“, betont der Bürgermeister. „Im Mittelpunkt stehen hier das Kind und der Lernerfolg“, sagt S..

Auch Rektorin S. H. freut sich, dass alles so gut funktioniert. „Wir haben uns zum Thema Inklusion bereits vor drei Jahren schon auf den Weg gemacht mit der Außenklasse der Uhlandschule“, sagt Frau H.. „Inklusion beginnt im Herzen“, zitiert sie Herrn R. vom Schulamt Markdorf und dankt der Gemeinde, den Lehrerinnen und Betreuungspersonen, Hausmeister Herrn R. und allen Beteiligten für die Offenheit und gute Zusammenarbeit. „L. nimmt, wann immer es möglich ist, auch an Lerngängen der Klasse teil. So hat die Klasse ‚Werners Saftladen‘ besichtigt und erfahren, wie Apfelsaft hergestellt wird“, erzählt Frau H.

„Barrieren wie Treppen konnten einfach dadurch überwunden werden, dass Herr Deutelmoser L. getragen hat“, berichtet sie. „L. ist in die Klasse sehr gut sozial integriert. Schülerinnen und Schüler auch der anderen Klassen helfen ihm spontan und selbstverständlich“, freut sich die Rektorin, und auch Klassenlehrerin Frau B. und L.’s Mutter können dies bestätigen. „Wir sind sehr glücklich, und L. geht sehr gerne in die Schule“, sagt Frau O.. „Der Prozess war richtig und gut, jeder hat seinen Verantwortungsbereich abgedeckt, jetzt muss dies weiterentwickelt werden“, fasst Bürgermeister S. zusammen.

(Erschienen: Schwäbische Zeitung vom 29.10.2012 17:10)