„Der Mann für alle Fälle und noch mehr“ geht

Meckenbeuren ce Die Albrecht-Dürer-Schule Meckenbeuren ohne Hausmeister R. ist für viele kaum vorstellbar. Und doch wird dies in Kürze Realität sein, denn H. R. wechselt im August sein berufliches Tätigkeitsfeld zur Elektronikschule nach Tettnang und verlässt die Gemeinde Meckenbeuren. „17 Jahre war H. R. in Vollzeit an der Albrecht-Dürer-Schule tätig“, blickte Rektorin S. H. bei der Verabschiedung am Donnerstag zurück.

Von 1983 bis 1987 war er bereits als Teilzeitkraft an der Meckenbeurer Schule im Einsatz, von 1987 bis 1997 arbeitete er in seinen gelernten Beruf als Elektroinstallateur. Als sein Vater H. R. im September 1998 nach 34 Jahren Hausmeister an der Albrecht-Dürer-Schule in den Ruhestand wechselte, übernahm Sohn H. diese Aufgabe. Neben der Albrecht-Dürer-Schule betreute H. R. auch die Musikschule, das Feuerwehrgerätehaus Meckenbeuren sowie das Jugendcafe. „Eine Ära geht heute zu Ende“, sagte S. H. und erinnerte an viele Anekdoten.

Noch gut erinnern konnte sich auch H. R. daran, als sich ein Kind im Stuhl zwischen Lehne und Sitzfläche eingeklemmt hatte und er den gesamten Stuhl auseinander schrauben musste, um das Kind zu befreien. Oder dass sich einmal eine Tafel aus der Halterung löste, herunter fiel und ein Kind streifte. „Zum Glück ist nichts schlimmeres passiert“, blicken R. und die Rektorin zurück. Eine heitere Begebenheit war die Lesenacht mit Lehrerin I. B.. Weil Nachbarn in der Schule Lichter von mehreren Taschenlampen ausmachten und die Polizei alarmierten, stand plötzlich ein Großaufgebot der Wachmänner vor der Tür und vermuteten Einbrecher.

Auch an die zehn Jahre währende Umbau- und Sanierungsmaßnahme bei laufendem Schulbetrieb ist R. und der Rektorin noch gut in Erinnerung. „Die Fenster der Südfassade wurden zwei Tage zu früh herausgerissen, so brauchten wir nachts eine Security, weil ja alle Räume mit Möbeln und Schulmaterial ausgestattet waren“, erzählt R. – heute mit einem Schmunzeln. „Am Tag der Einschulung von zwei ersten Klassen mit je 29 Schülern fuhr morgens der Bagger in den Schulhof und hat angefangen, den Lichthof auszubaggern“, erinnert sich auch Lehrerin I. B. an ihren ersten Tag an der Schule. „Wir haben vieles gemeinsam gemeistert, es war oft kein Zuckerschlecken, sondern harte Arbeit“, berichtet S. H. und lobte H. R., der alles toll mitgetragen habe, der immer pünktlich und präsent war, der stets einen Scherz auf den Lippen hatte und meistens gut gelaunt war. „Er hat ein Herz für Kinder“, fasste S. H. die Fürsorge des Hausmeisters für „seine Schüler“ zusammen.

Und auch das Lehrerkollegium fühlte sich stets gut unterstützt und bestens aufgehoben. „Ob bei Schulfesten, Projekttagen, Musical oder Elternabenden, Herr R. war immer dabei und hilfsbereit“, dankten sie „dem Mann für alle Fälle und noch mehr“. Derzeit ist der Hausmeister bereits an beiden Schulen tätig. Während er selbst an der Elektronikschule in Tettnang eine Einweisung in sein neues Tätigkeitsfeld erhält, wird er in der kommenden Woche bereits seinen Nachfolger an der Albrecht-Dürer-Schule einarbeiten.

Quelle Text & Foto: Schwäbische Zeitung, Ausgabe vom Samstag, dem 27.06.2015, Ch. Ehmann